Wir verlassen Adscharien an seinem östlichen Ausgang.
Der Weg führt durch das grandiose, von der Sommerhitze geröstete Bergland rund um Batumi, das den westlichsten Ausläufer des Kleinen Kaukasus darstellt, entlang der türkisch-georgischen Grenzlandschaft, ein wildes, von dürrem, knotigem Grün überwuchertes Mittelgebirge, an dessen höchstem Paß, dem Goderzi in knapp 2100 Metern Höhe, man noch einmal einen aufgegebenen Kontrollpunkt der Abaschidse-Ära passiert, ehe man durch endlose hügelige Ebenen und Wälder in die uralten Siedlungsregionen von Meschet-Tschawacheti im Süden Georgiens einfährt, die schon in frühchristlicher Zeit, vor allem jedoch während des Mittelalters verwüstet, deren Erde und Wälder niedergebrannt wurden, was bis heute das kahle Aussehen dieser nur noch dünn besiedelten Gegend geprägt hat.
Mehr "31.07.-02.08. Abastumani – Borjomi " »
Noch sind an der Küstenstraße südlich von Poti die Grenzposten zu sehen, an dem sich bis vor einem Jahr das Regime des Provinzdiktators Aslan Abaschidse als Ordnungsmacht für die Autonome Region Adscharien inszenierte und den Warenverkehr von der Türkei nach Georgien und Rußland mit einträglichen Wegezöllen abschöpfte.
Der Handstreich, mit dem das georgische Militär nach der „Rosenrevolution“ den Abaschidse-Clan vertrieb und die Region in den georgischen Verbund zurückholte, war bislang der einzige tatsächliche innenpolitische Erfolg des neuen Präsidenten Saakaschwili, der seitdem beständig beschworen und bemüht wird, wenn die ungeduldigen Fragen nach der „Heimholung“ der beiden übrigen abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien aufkommen.
Mehr "29.-31.07. Adschara/Batumi" »
Die landschaftliche Größe Swanetiens erschließt sich auf der Route von Mestia nach Uschguli, dem angeblich höchstgelegenen Dorf Europas und Vorderasiens, die die drei markantesten Gipfel der Region und zugleich das größte Heiligtum der Swanen, die Bergkirche von Kala berührt.
In Kala wird alljährlich am 28. Juli das Fest der Heiligen Quirike begangen, einer Märtyrerin, die nach wütend verteidigtem Glauben der Swanen auf der Flucht vor ihren Verfolgern aus Kappadokien nach Swanetien gelangt sein soll. Ihre Überreste und ein Splitter vom Kreuzesholz Christi sind der Gegenstand der Verehrung in dieser ehemaligen Klosterkirche aus dem 11. Jahrhundert, zu der heute nach altem swanischen Brauch seit Generationen nur eine bestimmte Familie des Dorfes den Schlüssel besitzt.
Mehr "28.07.05 Kala – Uschguli" »
Die erlesendsten Speisen und besten Tropfen während unserer Reise in Georgien wurden uns im Haus des notorischen Hitzkopfs und Mörders Omech Aprasidse vorgesetzt. Er starb im Frühjahr 2004 wie sein Vater Ewgenij im Kugelhagel von zwölf Kampfhubschraubern und mehreren Scharfschützen der georgischen Spezialeinheiten, die eines frühen Morgens ihr Haus in dem Dorf Ezeri südwestlich von Mestia umstellt und dann in Brand geschossen hatten. Omechs Mutter und seine Frau sowie seine noch kindlichen Nichten und Neffen, allesamt mit den Erstarrungen der Traumatisierten geschlagen, begrüßten unser Erscheinen, als wir aus Neugier an der verkohlten Ruine des einstmals stattlichen Bauernhauses hielten, und luden uns nach Sitte des Landes zum gemeinsamen Mahl. Wir lauschten und aßen mit gemischten Gefühlen in einem außergewöhnlich solide gebauten zweiten Holzhaus neben dem zerstörten, in dessen Wandverkleidungen noch immer die zahllosen Garben der Schüsse zu sehen sind, die hier von jener Nacht zeugen. Alle anwesenden Familienmitglieder, so wurde uns versichert, hätten nur überlebt, weil sie sich rechtzeitig vor den Soldaten versteckt hätten.
Mehr "27.07.05 Mestia (3)" »
Im Gegensatz zu Tuschen oder Chewsuren verfügen die Swanen in ihrer Hochgebirgsregion über Strom, Warmwasser und eine halbwegs akzeptable Straßenanbindung. Zudem geht wenigstens während der Sommermonate dreimal wöchentlich ein kleines, dreißigsitziges Flugzeug zwischen Tbilissi und Mestia. Die Häuser und Dörfer wirken solide gebaut, weitaus weniger improvisiert als in anderen Landesteilen, doch warum dies so ist, wissen die, die wir fragen, nicht zu beantworten. Manche haben vermutet, die Swanen hätten schon von alters her gute Beziehungen in Tbilissi gehabt, und das Geschäft mit den Raubgütern sei auch stets weitaus einträglicher gewesen als die bloße Viehzucht und Jagd. Andere meinten, im Gegensatz zu den nomadisierenden Tuschen seien die Swanen ganzjährig seßhaft und hätten ihre Dörfer und Gemeinschaften daher besser gepflegt. Nicht zuletzt sei der Bau von Stromleitungen nach Swanetien leichter als andernorts, weil auf dem Weg keine hohen Pässe zu überwinden seien.
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